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Django Django „Marble Skies“

Vor zwei Jahren stand Django Djangos Drummer / Producer David Maclean im Backstage-Bereich eines Festivals in Chicago und unterhielt sich mit einer Gruppe von Leuten, als er mehr zufällig seine Augen himmelwärts richtete. „Es war absolut beeindruckend“, erinnert er sich. „Der Himmel sah aus wie eine gewaltige Marmorplatte. Wir standen alle da und starrten sie an. Das hat etwas ausgelöst...“ Maclean notierte sich noch an Ort und Stelle die Worte Marble Skies, nun der Titel des mit großer Spannung erwarteten dritten Albums der Band – und ein sehr typischer Django-Django-Titel, der auf das selbstbetitelte, für den Mercury Prize nominierte Debütalbum (2012) und den Nachfolger Born Under Saturn (2015) folgt und erneut das Faible der Band für alles Ursprüngliche und Elementare unterstreicht. 

Nach den Rave-inspirierten Grooves und ausgedehnten Arrangements des Vorgängers ist Marble Skies eine prägnantere und konzentriertere Angelegenheit, die mehr an die Genre-verwischende Musik ihres Debüts erinnert. „Ich denke, es ist definitiv das stärkste Werk, das wir bis heute abgeliefert haben“, sagt Maclean, der trotz seiner Fähigkeiten als Drummer immer dann am meisten in seinem Element ist, wenn er die Tracks der Band produziert.  Wurde Born Under Saturn in einem – nach den Worten von Django Django – „amtlichen“ Studio aufgenommen (die Band umgeben von einer spektakulären Bandbreite an Vintage-Synthesizern), entschied man sich für Marble Skies, zum Cut-und-Paste-Ansatz des ersten Albums Django Django zurückzukehren. 

„Wir hatten definitiv das Bedürfnis, wieder mehr Kontrolle zurückzugewinnen“, sagt Sänger / Gitarrist Vincent Neff dazu, ein fröhlicher Charakter, der mit einem spitzbübischen Humor ausgestattet ist. „Das letzte Album wog ungefähr 114 Kilogramm, dieses etwa 79. Das erste haben wir mit einer sehr begrenzten Palette umgesetzt, weil wir schlicht nicht so viel Equipment zur Verfügung hatten. Beim zweiten hatten wir dann alles. Diesmal war der Prozess wieder ähnlich dem ersten Album.“

Django Django nahm einst seinen Anfang als Bedroom-Aufnahmeprojekt des in Schottland geborenen Maclean und des in Nordirland aufgewachsenen Neff. Mit dem Synthie-besessenen Schotten Tommy Grace und Bassist Jimmy Dixon aus Yorkshire entwickelte man sich dann zu einer Band und spielte überall von kleinen Clubs bis zu Lagerhallen-Partys. Die vier hatten sich ursprünglich am Edinburgh College Of Art kennengelernt, wurden jedoch erst zu einer richtigen Band, nachdem sie allesamt nach London umgezogen waren. Dort entwickelten sich die Dinge dann schnell, angefangen mit der Veröffentlichung einer beeindruckenden Serie von Singles („Storm/Love’s Dart”, „WOR”, „Waveforms”, „Default”) und gefolgt von ihrem von der Kritik gefeierten Debütalbum. Django Django machten Musik, die es so noch nicht gab: Die Band mixte US-Garage-Rock á la The Monks mit den verspielten Klangreisen eines Beck, angereichert mit einer Prise unbekümmerten, surrealistischen Humors von The Bonzo Dog Doo-Dah Band.

Nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums bereiste dieser fröhliche Zusammenschluss musikalischer Abenteurer die Welt, u.a. besuchte man auf Einladung der British Council Indien und Maclean nahm eine Einladung Damon Albarns an, als Teil von Africa Express nach Mali zu reisen, bevor für ein Konzert von Albarns bunter Truppe in Marseille dann wieder der Rest der Band hinzustieß. Als schließlich im Januar 2016 die Tour zum Album Born Under Saturn zu ihrem Ende kam, war die Band zugleich in Hochstimmung und hochgradig erschöpft. Maclean flog nach Los Angeles, um seine Programmierfähigkeiten KT Tunstalls Album KIN zur Verfügung zu stellen, anschließend zog er zurück in seine Heimatstadt Dundee und kam zu seiner wohlverdienten Pause. In der Zwischenzeit versammelten sich die anderen in den Urchin Studios in East London, wo sie gemeinsam mit Metronomy-Drummerin Anna Prior an der Idee experimentierten, durch lockere Jamming-Sessions neue Tracks entstehen zu lassen. 

„Es war tatsächlich ziemlich erfrischend“, sagt Neff. „Schlichtweg die Tatsache, einen anderen Drummer und einen Sound zu haben, der sich geringfügig von unserem sonstigen unterscheidet. Beim Jammen konnte man augenblicklich fühlen, ob etwas eine gute Energie hatte.“ Nach zehn Tagen des Aufnehmens hatte man reichlich Material beisammen, um es zu Maclean in Schottland zu schicken, damit dieser es bearbeiten und verfeinern konnte. Es verschaffte ihm eine größere Perspektive auf den anfänglichen Prozess. „Womöglich dachten sie von einem bestimmten von ihnen gespielten Part nicht, dass er etwas taugt“, sagt er. „Mich hingegen sprang er an und ich loopte ihn, baute darauf auf und schickte es zurück“. 

Django Django sind auch in dem Sinne eine ungewöhnliche Band, dass alle vier Mitglieder nicht nur zu der Musik beitragen, sondern auch zu den Melodien und Texten. „Oftmals sitzen wir einfach mit einer kleinen Melodie herum und suchen dann die passenden Worte dazu“, sagt Neff. „Wir zerbrechen uns nicht endlos über die Dinge den Kopf. Was auch immer uns in den Sinn kommt, schreiben wir auf und spielen es ein.“

„Oft schreiben wir auch einfach nur Nonsens“, fügt der nüchterne, bescheidene Dixon hinzu. „Manchmal bleibt etwas hängen oder es gibt eine Zeile, die wir mögen und wir bauen dann den Rest des Songs darum“. 

„Im Grunde pflücken wir laufend gegenseitig unsere Arbeit auseinander“, befindet Grace. Marble Skies markiert die Rückkehr zum Aufnahme-Equipment von Macleans Schlafzimmer, wenn auch in Form eines kleinen, mit Equipment vollgestopften Studios in North London. „Es ist wie eine Gang-Hütte“, sagt Maclean. „Ähnlich wie mein Schlafzimmer in der Wohnung, in der wir das erste Album aufgenommen haben ... nur ohne Bett. Wir fühlen uns dort frei zu tun, was auch immer uns in den Kopf kommt.“

Auf Teilen ihres dritten Albums segeln Django Djangos in unbekannten Gewässern, nicht zuletzt im treibenden Titeltrack (angeführt von Anna Priors Schlagzeugspiel), in dem Krautrock und Suicide durchklingen. Im Kontrast dazu steht der trippige, fröhliche Rock auf „Tic Tac Toe“, der mit seiner enormen, widerhallen Hookline Fans der Band ob seiner Rockabilly-beeinflussten Elemente begeistern wird und ihren Ursprung in derselben dereinst eingespielten Jam hat, die auch „WOR“ und Born Under Saturn’s „Shake & Tremble“ hervorbrachte. „Wir haben es also mit anderen Worten geschafft, aus dieser Jam drei Songs herauszubekommen“, sagt Maclean. „Ich würde sagen, sie sind eine Art Triptychon.“

Der schemenhafte, Zombie-artige Summer-Pop von „Champange“ erkundet derweil die Freuden und Leiden des Alkohols. Der Song wurde von einer Bootstour auf der Seine inspiriert, welche die Djangos auf Einladung ihres Labels unternahmen: „Es gab nur die besten Weine und wir betranken uns restlos“, gibt Neff mit einem Grinsen zu. „Aber es war ein ziemliches Erlebnis, auf diese Weise die Seine hinab zu schippern.“ All jene, die sich mehr von der Dance-orientierten Seite Django Djangos angesprochen fühlen, werden den verwinkelten Electro-Pop in „Your Beat“ und das von jamaikanischem Dancehall beeinflusste „Surface To Air“ lieben, ein versonnener Popsong, dem Rebecca Taylor von Slow Club ihre Stimme leiht. Die Zusammenarbeit war das Ergebnis eines Zusammentreffens beider Bands beim South By Southwest in Austin, Texas vor einigen Jahren, wo besonders Taylor und Maclean über gemeinsame musikalische Vorlieben zusammenfanden. 

“Wir hatten einen Drink und sie sagte, dass sie total auf R&B & Hip-Hop und Dancehall steht”, erinnert sich Maclean. “Tommy hatte diesen Dancehall-Song gesampelt und legte ein Synthie und eine Melodie darüber, und für mich schrie es einfach danach, Rebecca dazu singen zu hören.“ „Surface To Air“ war ursprünglich als Duett für Taylor und Neff gedacht gewesen, begann dann jedoch „ein bisschen nach Kenny Rogers und Dolly Parton“ zu klingen, wie der Djangos-Sänger ironisch anmerkt. Am Ende – in guter Tradition von Massive Attack und Primal Scream – wurde es der erste Django-Django-Track, auf dem ausschließlich ein externer Sänger zu hören ist. „Es ist schön, diese Art von Momenten zu haben“, sagt Neff. „Wenn man ein Album hört, zieht es einen aus der Situation heraus, dass man in jedem Song dieselbe Stimme hört.“

Ein weiterer überraschender Gast auf Marble Skies ist Jan Hammer, der in Tschechien geborene und heute in Amerika lebende Jazz-Fusion- und Electro-Künstler, der sich mit der Band die Writing Credits für das wunderschön dahinfließende „Sun Dials“ teilt. Der Track begann damit, dass Maclean Hammers „The Seventh Day” (enthalten auf dessen 1975er-Album The First Seven Days) sampelte und Grace dann das Piano-Riff ausarbeiten sollte, bevor die Band dem Musiker e-mailte, um sich die Erlaubnis für die Verwendung des Stückes zu holen. Wenn es so etwas wie eine Grundstimmung auf Marble Skies gibt, so ist es eine des Nachsinnens über Vergangenes und Gegenwärtiges, und dass man eine Art inneren Frieden mit seinem Platz in der großen weiten Welt schließt. Dieses Gefühl erreicht seinen Höhepunkt im hypnotischen Groove von „Fountains“, in dessen Refrain es heißt: „Bigger Than You And Me“.„Es ist die einfach Vorstellung, dass die Dinge sich permanent drehen und weiterbewegen“, sagt Maclean, „und du bist ein Teil davon und betrachtest es und kannst das Ticken der Uhr doch nicht aufhalten. Irgendwie schaffst du es jedoch, es dir darin einzurichten.

Das sind also Django Django, wie wir sie 2017 vorfinden: älter, höchstwahrscheinlich weiser – und doch so packend und unvorhersehbar wie eh und je. 

Artist: Django Django

Album: Marble Skies

VÖ: 26.01.2018

Label: Because

Vertrieb: Caroline International


 Django Django live:

13.03.18 München, Strom

16.03.18 Hamburg, Gruenspan

17.03.18 Berlin, Festsaal Kreuzberg


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